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Prolog
- Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines
Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch
die Tat!
- So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du
durch die Trägheit des Ungehorsams verlassen hast.
- An dich also richte ich
jetzt mein Wort, wer immer du bist, wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für
Christus, den Herrn und wahren König, kämpfen willst und den starken und
glänzenden Schild des Gehorsams ergreifst
- Vor allem: wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet,
er möge es vollenden.
- Dann muss er, der uns jetzt zu seinen Söhnen zählt,
einst nicht über unser böses Tun traurig sein.
- Weil er Gutes in uns wirkt,
müssen wir ihm jederzeit gehorchen; dann wird er uns einst nicht enterben wie
ein erzürnter Vater seine Söhne;
- er wird auch nicht wie ein furchterregender
Herr über unsere Bosheit ergrimmt sein und uns wie verkommene Knechte der ewigen
Strafe preisgeben, da wir ihm in die Herrlichkeit nicht folgen wollten.
- Stehen wir also endlich einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach und ruft:
"Die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen."
- Öffnen wir unsere Augen dem
göttlichen Licht und hören wir mit aufgeschrecktem Ohr, wozu uns die Stimme
Gottes täglich mahnt und aufruft:
- "Heute, wenn ihr seine Stimme hört,
verhärtet eure Herzen nicht!"
- Und wiederum: "Wer Ohren hat zu hören, der
höre, was der Geist den Gemeinden sagt!"
- Und was sagt er? "Kommt, ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn
will ich euch lehren.
- Lauft, solange ihr das Licht des Lebens habt, damit die
Schatten des Todes euch nicht überwältigen."
- Und der Herr sucht in der
Volksmenge, der er dies zuruft, einen Arbeiter für sich und sagt wieder:
- "Wer
ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?"
- Wenn du
das hörst und antwortest: "Ich", dann sagt Gott zu dir:
- "Willst du wahres und
unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor
falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!
- Wenn ihr das tut, blicken meine Augen auf euch, und meine Ohren hören auf
eure Gebete; und noch bevor ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, ich bin da."
- Liebe Brüder, was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn,
der uns einlädt?
- Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens.
- Gürten wir uns also mit Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der
Führung des Evangeliums seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in
sein Reich gerufen hat.
- Wollen wir in seinem Reich und in seinem Zelt wohnen, dann müssen wir
durch gute Taten dorthin eilen; anders kommen wir nicht ans Ziel.
- Fragen wir
nun mit dem Propheten den Herrn: "Herr, wer darf wohnen in deinem Zelt, wer darf
weilen auf deinem heiligen Berg?"
- Hören wir, Brüder, was der Herr auf diese
Frage antwortet und wie er uns den Weg zu seinem Zelt weist:
- "Der makellos
lebt und das Rechte tut;
- der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner
Zunge nicht verleumdet;
- der seinem Freund nichts Böses antut und seinen
Nächsten nicht schmäht;
- der den arglistigen Teufel, der ihm etwas
einflüstert, samt seiner Einflüsterung vom Auge seines Herzens wegstößt, ihn
zunichte macht, seine Gedankenbrut packt und sie an Christus zerschmettert."
-
Diese Menschen fürchten den Herrn und werden wegen ihrer Treue im Guten nicht
überheblich; sie wissen vielmehr, dass das Gute in ihnen nicht durch eigenes
Können, sondern durch den Herrn geschieht.
- Sie lobpreisen den Herrn, der in
ihnen wirkt, und sagen mit dem Propheten: "Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern
deinen Namen bring zu Ehren."
- Auch der Apostel Paulus hat nichts von seiner
Verkündigung als Verdienst angesehen, sagt er doch: "Durch Gottes Gnade bin ich,
was ich bin."
- Und er sagt auch: "Wer sich rühmen will, der rühme sich im
Herrn."
- Schließlich sagt der Herr im Evangelium: "Wer diese meine Worte hört
und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat.
- Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die
Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war
auf Fels gebaut."
- Nach all diesen Worten erwartet der Herr, dass wir jeden Tag auf seine
göttlichen Mahnungen mit unserem Tun antworten.
- Deshalb sind uns die Tage des
Lebens als Frist gewährt, damit wir uns von unseren Fehlern bessern,
- wie der
Apostel sagt: "Weißt du nicht, dass Gottes Geduld dich zur Umkehr führt?"
- Denn
in seiner Güte sagt der Herr: "Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass
er umkehrt und lebt."
- Brüder, wir haben also den Herrn befragt, wer in seinem Zelt wohnen darf,
und die Bedingungen für das Wohnen gehört. Erfüllen wir doch die Pflichten eines
Bewohners!
- Wir müssen unser Herz und unseren Leib zum Kampf rüsten, um den
göttlichen Weisungen gehorchen zu können.
- Für alles, was uns von Natur aus
kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten.
- Wir
wollen den Strafen der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben gelangen.
- Noch ist Zeit, noch sind wir in diesem Leib, noch lässt das Licht des Lebens
uns Zeit, all das zu erfüllen.
- Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für
die Ewigkeit nützt.
- Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten.
- Bei
dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen.
-
Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu
bessern und die Liebe zu bewahren,
- dann lass dich nicht sofort von Angst
verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders
sein als eng.
- Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet,
dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der
Gebote Gottes.
- Darum wollen wir uns seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner
Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden
Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.
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Kapitel 1: Die Arten der Mönche
- Wir kennen vier Arten von Mönchen.
- Die erste Art sind die Koinobiten: Sie leben in einer klösterlichen
Gemeinschaft und dienen unter Regel und Abt.
- Die zweite Art sind die Anachoreten, das heißt Einsiedler. Nicht in der
ersten Begeisterung für das Mönchsleben, sondern durch Bewährung im
klösterlichen Alltag
- und durch die Hilfe vieler hinreichend geschult, haben
sie gelernt, gegen den Teufel zu kämpfen.
- In der Reihe der Brüder wurden sie
gut vorbereitet für den Einzelkampf in der Wüste. Ohne den Beistand eines
anderen können sie jetzt zuversichtlich mit eigener Hand und eigenem Arm
gegen die Sünden des Fleisches und der Gedanken kämpfen, weil Gott ihnen hilft.
- Die dritte Art sind die Sarabaiten, eine ganz widerliche Art von Mönchen.
Weder durch eine Regel noch in der Schule der Erfahrung wie Gold im Schmelzofen
erprobt, sind sie weich wie Blei.
- In ihren Werken halten sie der Welt immer
noch die Treue. Man sieht, dass sie durch ihre Tonsur Gott belügen.
- Zu zweit
oder zu dritt oder auch einzeln, ohne Hirten, sind sie nicht in den Hürden des
Herrn, sondern in ihren eigenen eingeschlossen: Gesetz ist ihnen, was ihnen
behagt und wonach sie verlangen.
- Was sie meinen und wünschen, das nennen sie
heilig, was sie nicht wollen, das halten sie für unerlaubt.
- Die vierte Art der Mönche sind die sogenannten Gyrovagen. Ihr Leben lang
ziehen sie landauf landab und lassen sich für drei oder vier Tage in
verschiedenen Klöstern beherbergen.
- Immer unterwegs, nie beständig, sind sie
Sklaven der Launen ihres Eigenwillens und der Gelüste ihres Gaumens. In allem
sind sie noch schlimmer als die Sarabaiten.
- Besser ist es, über den erbärmlichen Lebenswandel all dieser zu schweigen
als zu reden.
- Lassen wir sie also beiseite, und gehen wir mit Gottes Hilfe
daran, der stärksten Art, den Koinobiten, eine Ordnung zu geben.
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Kapitel 2: Der Abt
- Der Abt, der würdig ist, einem Kloster vorzustehen, muss immer bedenken,
wie man ihn anredet, und er verwirkliche durch sein Tun, was diese Anrede für
einen Oberen bedeutet.
- Der Glaube sagt ja: Er vertritt im Kloster die Stelle
Christi; wird er doch mit dessen Namen angeredet
- nach dem Wort des Apostels:
"Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir
rufen: Abba, Vater!"
- Deshalb darf der Abt nur lehren oder bestimmen und
befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht.
- Sein Befehl und seine Lehre
sollen wie Sauerteig göttlicher Heilsgerechtigkeit die Herzen seiner Jünger
durchdringen.
- Der Abt denke immer daran, dass in gleicher Weise über seine Lehre und über
den Gehorsam seiner Jünger beim erschreckenden Gericht Gottes entschieden wird.
- So wisse der Abt: Die Schuld trifft den Hirten, wenn der Hausvater an seinen
Schafen zu wenig Ertrag feststellen kann.
- Andererseits gilt ebenso: Hat ein
Hirt einer unruhigen und ungehorsamen Herde all seine Aufmerksamkeit geschenkt
und ihrem verdorbenen Treiben jede nur mögliche Sorge zugewandt,
- wird er im
Gericht des Herrn freigesprochen. Er darf mit dem Propheten zum Herrn sagen:
"Deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Herzen verborgen, ich habe von
deiner Treue und Hilfe gesprochen, sie aber haben mich verhöhnt und verachtet."
- Dann kommt über die Schafe, die sich seiner Hirtensorge im Ungehorsam
widersetzt haben, als Strafe der allgewaltige Tod.
- Wer also den Namen "Abt" annimmt, muss seinen Jüngern in zweifacher Weise
als Lehrer vorstehen:
- Er mache alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben
als durch sein Reden sichtbar. Einsichtigen Jüngern wird er die Gebote des Herrn
mit Worten darlegen, hartherzigen aber und einfältigeren wird er die Weisungen
Gottes durch sein Beispiel veranschaulichen.
- In seinem Handeln zeige er, was
er seine Jünger lehrt, dass man nicht tun darf, was mit dem Gebot Gottes
unvereinbar ist. Sonst würde er anderen predigen und dabei selbst verworfen
werden.
- Gott könnte ihm eines Tages sein Versagen vorwerfen: "Was zählst du
meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund? Dabei ist Zucht dir verhasst, meine Worte wirfst du hinter dich."
- Auch gilt: "Du sahst im Auge
deines Bruders den Splitter, in deinem hast du den Balken nicht bemerkt."
- Der Abt bevorzuge im Kloster keinen wegen seines Ansehens.
- Den einen
liebe er nicht mehr als den anderen, es sei denn, er finde einen, der eifriger
ist in guten Werken und im Gehorsam.
- Er ziehe nicht den Freigeborenen einem
vor, der als Sklave ins Kloster eintritt, wenn es dafür keinen vernünftigen
Grund gibt.
- Der Abt kann aber jede Rangänderung vor nehmen, wenn er es aus
Gründen der Gerechtigkeit für gut hält. Sonst sollen die Brüder den Platz
einnehmen, der ihnen zukommt.
- Denn ob Sklave oder Freier, in Christus sind
wir alle eins, und unter dem einen Herrn tragen wir die Last des gleichen
Dienstes. Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.
- Nur dann
unterscheiden wir uns in seinen Augen, wenn wir in guten Werken und in der Demut
eifriger sind als andere.
- Der Abt soll also alle in gleicher Weise lieben,
ein und dieselbe Ordnung lasse er für alle gelten wie es jeder verdient.
- Wenn der Abt lehrt, halte er sich immer an das Beispiel des Apostels, der
sagt: "Tadle, ermutige, weise streng zurecht." Das bedeutet für ihn:
- Er lasse
sich vom Gespür für den rechten Augenblick leiten und verbinde Strenge mit gutem
Zureden. Er zeige den entschlossenen Ernst des Meisters und die liebevolle Güte
des Vaters.
- Härter tadeln muss er solche, die keine Zucht kennen und keine
Ruhe geben; zum Fortschritt im Guten ermutige er alle, die gehorsam, willig und
geduldig sind; streng zurechtweisen und bestrafen soll er jene, die nachlässig
und wider spenstig sind.
- Auf keinen Fall darf er darüber hinwegsehen, wenn sich jemand verfehlt;
vielmehr schneide er die Sünden schon beim Entstehen mit der Wurzel aus, so gut
er kann. Er soll daran denken, dass ihm sonst das Schicksal des Priesters Heli
von Schilo droht.
- Rechtschaffene und Einsichtige weise er einmal und ein
zweites Mal mit mahnenden Worten zurecht.
- Boshafte aber, Hartherzige, Stolze
und Ungehorsame soll er beim ersten Anzeichen eines Vergehens durch Schläge und
körperliche Züchtigung im Zaum halten. Er kennt doch das Wort der Schrift: "Ein
Tor lässt sich durch Worte nicht bessern."
- Und auch dieses: "Schlage deinen
Sohn mit der Rute, so rettest du sein Leben vor dem Tod."
- Der Abt muss bedenken, was er ist, und bedenken, wie man ihn anredet. Er
wisse: Wem mehr anvertraut ist, von dem wird mehr verlangt.
- Er muss wissen,
welch schwierige und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu führen und
der Eigenart vieler zu dienen. Muss er doch dem einen mit gewinnenden, dem
anderen mit tadelnden, dem dritten mit überzeugenden Worten begegnen.
- Nach
der Eigenart und Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle einstellen
und auf sie eingehen. So wird er an der ihm anvertrauten Herde keinen Schaden
erleiden, vielmehr kann er sich am Wachsen einer guten Herde freuen.
- Vor allem darf er über das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegsehen
oder es geringschätzen und sich größere Sorge machen um vergängliche, irdische
und hinfällige Dinge.
- Stets denke er daran: Er hat die Aufgabe übernommen,
Menschen zu führen, für die er einmal Rechenschaft ablegen muss.
- Wegen des
vielleicht allzu geringen Klostervermögens soll er sich nicht beunruhigen;
vielmehr bedenke er das Wort der Schrift: "Sucht zuerst das Reich Gottes und
seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben."
- Ein anderes
Schriftwort sagt: "Wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel."
- Der Abt muss wissen: Wer es auf sich nimmt, Menschen zu führen,
muss sich
bereithalten, Rechenschaft abzulegen.
- Er sei sich darüber ganz im klaren: Wie
groß auch die Zahl der Brüder sein mag, für die er Verantwortung trägt, am Tag
des Gerichtes muss er für sie alle dem Herrn Rechenschaft ablegen, dazu ohne
Zweifel auch für sich selbst.
- Immer in Furcht vor der bevorstehenden
Untersuchung des Hirten über die ihm anvertrauten Schafe, sorgt er für seine
eigene Rechenschaft, wenn er sich um die anderen kümmert.
- Wenn er mit seinen
Ermahnungen anderen zur Besserung verhilft, wird er selbst von seinen Fehlern
geläutert.
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Kapitel 3: Die Einberufung der Brüder zum Rat
- Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze
Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht.
- Er soll den
Rat der Brüder anhören und dann mit sich selbst zu Rate gehen. Was er für
zuträglicher hält, das tue er.
- Dass aber alle zur Beratung zu rufen seien,
haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das
Bessere ist.
- Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren
Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten
verteidigen.
- Vielmehr liegt die Entscheidung im Ermessen des Abtes: Was er
für heilsamer hält, darin sollen ihm alle gehorchen.
- Wie es jedoch den
Jüngern zukommt, dem Meister zu gehorchen, muss er seinerseits alles
vorausschauend und gerecht ordnen.
- Alle sollen in allem der Regel als Lehrmeisterin folgen, und niemand darf
leichtfertig von ihrer Weisung abweichen.
- Keiner darf im Kloster dem Willen
seines eigenen Herzens folgen.
- Niemand masse sich an, mit seinem Abt
unverschämt oder gar außerhalb des Klosters zu streiten.
- Geht aber einer in
seiner Anmaßung so weit, dann treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe.
- Der Abt allerdings muss seine Anordnungen immer in Gottesfurcht treffen und
sich dabei an die Regel halten. Er muss wissen, dass er sich ohne Zweifel für all
seine Entscheidungen vor Gott, dem gerechten Richter, zu verantworten hat.
- Wenn weniger wichtige Angelegenheiten des Klosters zu behandeln sind, soll
er nur die Älteren um Rat fragen,
- lesen wir doch in der Schrift: "Tu alles
mit Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen."
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Kapitel 4: Die Werkzeuge der geistlichen Kunst
- Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und
mit ganzer Kraft.
- Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.
- Dann: nicht töten.
- Nicht die Ehe brechen.
- Nicht stehlen.
- Nicht
begehren.
- Nicht falsch aussagen.
- Alle Menschen ehren.
- Und keinem
anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte.
- Sich selbst verleugnen, um Christus zu folgen.
- Den Leib in Zucht
nehmen.
- Sich Genüssen nicht hingeben.
- Das Fasten lieben.
- Arme bewirten.
- Nackte bekleiden.
- Kranke besuchen.
- Tote begraben.
- Bedrängten zu Hilfe kommen.
- Trauernde trösten.
- Sich dem Treiben der Welt entziehen.
- Der Liebe zu Christus nichts
vorziehen.
- Den Zorn nicht zur Tat werden lassen.
- Der Rachsucht nicht einen
Augenblick nachgeben.
- Keine Arglist im Herzen tragen.
- Nicht unaufrichtig
Frieden schließen.
- Von der Liebe nicht lassen.
- Nicht schwören, um nicht
falsch zu schwören.
- Die Wahrheit Herz und Mund bekennen.
- Nicht Böses mit
Bösem vergelten.
- Nicht Unrecht tun, vielmehr erlittenes geduldig ertragen.
-
Die Feinde lieben.
- Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern mehr
noch sie segnen.
- Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen.
- Nicht stolz sein,
- nicht trunksüchtig,
- nicht gefräßig,
- nicht
schlafsüchtig,
- nicht faul sein.
- Nicht murren.
- Nicht verleumden.
- Seine Hoffnung Gott anvertrauen.
- Sieht man Gutes bei sich, es Gott
zuschreiben, nicht sich selbst.
- Das Böse aber immer als eigenes Werk
erkennen, sich selbst zuschreiben.
- Den Tag des Gerichtes fürchten.
- Vor der Hölle erschrecken.
- Das ewige
Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
- Den unberechenbaren Tod
täglich vor Augen haben.
- Das eigene Tun und Lassen jederzeit überwachen.
-
Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut.
- Böse Gedanken, die sich
in unser Herz einschleichen, sofort an Christus zerschmettern und dem
geistlichen Vater eröffnen.
- Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten.
- Das viele Reden nicht
lieben.
- Leer oder zum Gelächter reizende Worte meiden.
- Häufiges oder
ungezügeltes Gelächter nicht lieben.
- Heilige Lesungen gern hören.
- Sich oft
zum Beten niederwerfen.
- Seine früheren Sünden unter Tränen und Seufzen
täglich im Gebet Gott bekennen;
- und sich von allem Bösen künftig bessern.
- Die Begierden des Fleisches nicht befriedigen.
- Den Eigenwillen hassen.
- Den Anweisungen des Abtes in allem gehorchen, auch wenn er selbst, was ferne
sei, anders handelt; man denke an die Weisung des Herrn: "Was sie sagen, das
tut; was sie aber tun, das tut nicht."
- Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es erst
sein, um mit Recht so genannt zu werden.
- Gottes Weisungen täglich durch die
Tat erfüllen.
- Die Keuschheit lieben.
- Niemand hassen.
- Nicht eifersüchtig
sein.
- Nicht aus Neid handeln.
- Streit nicht lieben.
- Überheblichkeit
fliehen.
- Die Älteren ehren,
- die Jüngeren lieben.
- In der Liebe Christi für die
Feinde beten.
- Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden
zurückkehren.
- Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.
- Das sind also die Werkzeuge der geistlichen Kunst.
- Wenn wir sie Tag und
Nacht unaufhörlich gebrauchen und sie am Tag des Gerichts zurückgeben, werden
wir vom Herrn jenen Lohn empfangen, den er selbst versprochen hat:
- "Was kein
Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben."
- Die Werkstatt aber, in der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist
der Bereich des Klosters und die Beständigkeit in der Gemeinschaft.
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Kapitel 5: Der Gehorsam
- Der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern.
- Er ist die
Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht.
- Wegen des
heiligen Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen
der Herrlichkeit des ewigen Lebens
- darf es für sie nach einem Befehl des
Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er
von Gott.
- Von ihnen sagt der Herr: "Aufs erste Hören hin gehorcht er mir."
-
Und ebenso sagt er den Lehrern: "Wer euch hört, hört mich."
- Daher verlassen
Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf.
-
Sogleich legen sie unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren.
Schnellen Fußes folgen sie gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat.
- Mit
der Schnelligkeit, die aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch wie in
einem Augenblick: der ergangene Befehl des Meisters und das voll brachte Werk
des Jüngers.
- So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten.
-
Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt: "Eng
ist der Weg, der zum Leben führt."
- Sie leben nicht nach eigenem Gutdünken,
gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und Begierden, sondern gehen ihren Weg
nach der Entscheidung und dem Befehl eines anderen. Sie bleiben im Kloster
und haben das Verlangen, dass ein Abt ihnen vorstehe.
- Ohne Zweifel folgen sie
auf diesem Weg dem Herrn nach, der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen
zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."
- Ein Gehorsam dieser Art ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen
beglückend, wenn der Befehl nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder
gar mit Murren und Widerrede ausgeführt wird.
- Denn der Gehorsam, den man den
Oberen leistet, wird Gott erwiesen; sagt er doch: "Wer euch hört, hört mich."
-
Die Jünger müssen ihn mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen
fröhlichen Geber.
- Wenn aber der Jünger verdrossen gehorcht, also nicht nur
mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen murrt,
- so findet er, selbst wenn er
den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der das Murren seines Herzens
wahrnimmt.
- Für solches Tun empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt der
Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.
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Kapitel 6: Die Schweigsamkeit
- Tun wir, was der Prophet sagt: "Ich sprach, ich will auf meine Wege
achten, damit ich mich mit meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache
vor meinen Mund, ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten."
-
Hier zeigt der Prophet: Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf
gute Gespräche verzichten. Um so mehr müssen wir wegen der Bestrafung der Sünde
von bösen Worten lassen.
- Mag es sich also um noch so gute, heilige und aufbauende Gespräche
handeln, vollkommenen Jüngern werde nur selten das Reden erlaubt wegen der
Bedeutung der Schweigsamkeit.
- Steht doch geschrieben: "Beim vielen Reden
wirst du der Sünde nicht entgehen",
- und an anderer Stelle: "Tod und Leben
stehen in der Macht der Zunge."
- Denn Reden und Lehren kommen dem Meister zu,
Schweigen und Hören dem Jünger.
- Muss man den Oberen um etwas bitten, soll es in aller Demut und
ehrfürchtiger Unterordnung erbeten werden.
- Albernheiten aber, müßiges und zum
Gelächter reizendes Geschwätz verbannen und verbieten wir für immer und überall.
Wir gestatten nicht, dass der Jünger zu solchem Gerede den Mund öffne.
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Kapitel 7: Die Demut
- Laut ruft uns, Brüder, die Heilige Schrift zu: "Wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
- Mit
diesen Worten zeigt sie uns also, daß jede Selbsterhöhung aus dem Stolz
hervorgeht.
- Davor hütet sich der Prophet und sagt: "Herr, mein Herz ist nicht
überheblich, und meine Augen schauen nicht hochmütig; ich ergehe mich nicht in
Dingen, die für mich zu hoch und zu wunderbar sind.
- Wenn ich nicht demütig
gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? Du behandelst mich wie ein Kind,
das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt."
- Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu
jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem
Leben aufsteigen,
- dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter
zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab und
hinaufsteigen.
- Ganz sicher haben wir dieses Herab und Hinaufsteigen so zu
verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.
- Die
so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel
auf, wenn unser Herz demütig geworden ist.
- Als Holme der Leiter bezeichnen
wir unseren Leib und unsere Seele. In diese Holme hat Gottes Anruf verschiedene
Sprossen der Demut und der Zucht eingefügt, die wir hinaufsteigen sollen.
- Die erste Stufe der Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und
hüte sich, Gott je zu vergessen.
- Stets denke er an alles, was Gott geboten
hat, und erwäge immer bei sich, wie das Feuer der Hölle der Sünden wegen jene
brennt, die Gott verachten, und wie das ewige Leben jenen bereitet ist, die
Gott fürchten.
- Zu jeder Stunde sei er auf der Hut vor Sünden und Fehlern, die
im Denken, Reden, Tun und Wandel durch Eigenwillen, aber auch durch Begierden
des Fleisches geschehen.
- Der Mensch erwäge: Gott blickt vom Himmel zu jeder
Stunde auf ihn und sieht an jedem Ort sein Tun; die Engel berichten ihm
jederzeit davon.
- Der Prophet weist uns darauf hin, dass Gott unserem Denken immer
gegenwärtig ist, wenn er sagt: "Gott prüft auf Herz und Nieren."
- "Der Herr
kennt die Gedanken der Menschen."
- Ebenso sagt er: "Von fern erkennst du meine
Gedanken."
- "Das Denken des Menschen liegt offen vor dir."
- Vor seinen
verkehrten Gedanken auf der Hut, spreche der Bruder, der etwas taugt, ständig in
seinem Herzen: "Dann bin ich makellos vor ihm, wenn ich mich vor meiner Bosheit
in acht nehme."
- Den Eigenwillen zu tun, verwehrt uns die Schrift, wenn sie sagt: "Von
deinem Willen wende dich ab!"
- Dass aber Gottes Wille in uns geschehe, darum
bitten wir ihn im Gebet.
- Mit Recht werden wir also belehrt, nicht unseren
Willen zu tun, sondern zu beachten, was die Schrift sagt: "Es gibt Wege, die den
Menschen richtig erscheinen, die aber am Ende in die Tiefe der Hölle
hinabführen."
- Ebenso zittern wir vor dem Wort, das von den Nachlässigen
gesagt ist: "Verdorben sind sie und abscheulich geworden in ihren Gelüsten."
- Selbst bei den Begierden des Fleisches ist uns Gott, so glauben wir, immer
gegenwärtig. Sagt doch der Prophet zum Herrn: "All mein Begehren liegt offen vor
dir."
- Nehmen wir uns also vor jeder bösen Begierde in acht; denn der Tod
steht an der Schwelle der Lust.
- Darum gebietet die Schrift: "Lauf deinen
Begierden nicht nach!"
- Wenn also die Augen des Herrn über Gute und Böse wachen
- und der Herr
immer vom Himmel auf die Menschenkinder blickt, um zu sehen, ob noch ein
Verständiger da ist, der Gott sucht,
- und wenn die Engel, die uns zugewiesen
sind, täglich bei Tag und bei Nacht dem Herrn über unsere Taten und Werke
berichten,
- dann, Brüder, müssen wir uns zu jeder Stunde in acht nehmen, damit
Gott uns nicht irgendwann einmal als abtrünnig und verdorben ansehen muss, wie
der Prophet im Psalm sagt.
- Weil er gütig ist, schont er uns in dieser Zeit
und erwartet unsere Bekehrung zum Besseren, damit er uns dereinst nicht sagen muss: "Das hast du getan, und ich habe geschwiegen."
- Die zweite Stufe der Demut: Der Mönch liebt nicht den eigenen Willen und
hat deshalb keine Freude daran, sein Begehren zu erfüllen.
- Vielmehr folgt er
in seinen Taten dem Wort des Herrn, der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen
Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."
- Ebenso steht
geschrieben: "Eigensinn führt zur Strafe, Bindung erwirbt die Krone."
- Die dritte Stufe der Demut: Aus Liebe zu Gott unterwirft sich der Mönch
dem Oberen in vollem Gehorsam. So ahmt er den Herrn nach, von dem der Apostel
sagt: "Er war gehorsam bis zum Tod."
- Die vierte Stufe der Demut: Der Mönch übt diesen Gehorsam auch dann, wenn
es hart und widrig zugeht. Sogar wenn ihm dabei noch so viel Unrecht geschieht,
schweigt er und umarmt gleichsam bewusst die Geduld.
- Er hält aus, ohne müde zu
werden oder davonzulaufen, sagt doch die Schrift: "Wer bis zum Ende standhaft
bleibt, der wird gerettet"
- Ferner: "Dein Herz sei stark und halte den Herrn
aus."
- Um zu zeigen, dass der Glaubende für den Herrn alles, sogar Widriges
aushalten muss, sagt die Schrift durch den Mund derer, die das erdulden: "Um
deinetwillen werden wir den ganzen Tag dem Tode ausgesetzt, behandelt wie
Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind."
- Doch zuversichtlich und voll
Hoffnung auf Gottes Vergeltung fügen sie freudig hinzu: "All das überwinden wir
durch den, der uns geliebt hat." Und ebenso sagt die Schrift an anderer
Stelle: "Gott, du hast uns geprüft und uns im Feuer geläutert. Du hast uns in
die Schlinge geraten lassen, hast drückende Last unserem Rücken aufgeladen."
-
Um zu zeigen, dass wir unter einem Oberen stehen müssen, sagt sie weiter: "Du
hast Menschen über unser Haupt gesetzt."
- Selbst bei Widrigkeiten und Unrecht
erfüllen die Mönche in Geduld die Weisung des Herrn:
- Auf die eine Wange
geschlagen, halten sie auch die andere hin; des Hemdes beraubt, lassen sie auch
den Mantel; zu einer Meile gezwungen, gehen sie zwei.
- Wie der Apostel Paulus
halten sie falsche Brüder aus und segnen jene, die ihnen fluchen.
- Die fünfte Stufe der Demut: Der Mönch bekennt demütig seinem Abt alle
bösen Gedanken, die sich in sein Herz schleichen, und das Böse, das er im
Geheimen begangen hat und er verbirgt nichts.
- Dazu ermahnt uns die Schrift
mit den Worten: "Eröffne dem Herrn deinen Weg und vertrau auf ihn!"
- Sie sagt
auch: "Legt vor dem Herrn ein Bekenntnis ab; denn er ist gut, denn seine Huld
währt ewig."
- Ebenso sagt der Prophet: "Mein Vergehen tat ich dir kund, und
meine Ungerechtigkeit habe ich dir nicht verborgen.
- Ich sagte: Vor dem Herrn
will ich gegen mich meine Schuld bekennen, und du hast mir die Bosheit meines
Herzens vergeben."
- Die sechste Stufe der Demut: Der Mönch ist zufrieden mit dem
Allergeringsten und Letzten und hält sich bei allem, was ihm aufgetragen wird,
für einen schlechten und unwürdigen Arbeiter.
- Er sagt sich mit dem Propheten:
"Zu nichts bin ich geworden und verstehe nichts; wie ein Lasttier bin ich vor
dir und bin doch immer bei dir."
- Die siebte Stufe der Demut: Der Mönch erklärt nicht nur mit dem Mund, er
sei niedriger und geringer als alle, sondern glaubt dies auch aus tiefstem
Herzen.
- Er erniedrigt sich und spricht mit dem Propheten: "Ich aber bin ein
Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet.
- Ich habe mich
erhöht und wurde erniedrigt und zunichte."
- "Gut war es für mich, dass du mich
erniedrigt hast; so lerne ich deine Gebote."
- Die achte Stufe der Demut: Der Mönch tut nur das, wozu ihn die gemeinsame
Regel des Klosters und das Beispiel der Väter mahnen.
- Die neunte Stufe der Demut: Der Mönch hält seine Zunge vom Reden zurück,
verharrt in der Schweigsamkeit und redet nicht, bis er gefragt wird.
- Zeigt
doch die Schrift: "Bei vielem Reden entgeht man der Sünde nicht."
- "Der
Schwätzer hat keine Richtung auf Erden."
- Die zehnte Stufe der Demut: Der Mönch ist nicht leicht und schnell zum
Lachen bereit, steht doch geschrieben: "Der Tor bricht in schallendes Gelächter
aus."
- Die elfte Stufe der Demut: Der Mönch spricht, wenn er redet, ruhig und
ohne Gelächter, demütig und mit Würde wenige und vernünftige Worte und macht
kein Geschrei,
- da geschrieben steht: "Den Weisen erkennt man an den wenigen
Worten."
- Die zwölfte Stufe der Demut: Der Mönch sei nicht nur im Herzen demütig,
sondern seine ganze Körperhaltung werde zum ständigen Ausdruck seiner Demut für
alle, die ihn sehen.
- Das heißt: Beim Gottesdienst, im Oratorium, im Kloster,
im Garten, unterwegs, auf dem Feld, wo er auch sitzt, geht oder steht, halte er
sein Haupt immer geneigt und den Blick zu Boden gesenkt.
- Wegen seiner Sünden
sieht er sich zu jeder Stunde angeklagt und schon jetzt vor das schreckliche
Gericht gestellt.
- Immer wiederhole er im Herzen die Worte des Zöllners im
Evangelium, der die Augen zu Boden senkt und spricht: "Herr, ich Sünder bin
nicht würdig, meine Augen zum Himmel zu erheben."
- Und ebenso sagt er mit dem
Propheten: "Gebeugt bin ich und tief erniedrigt."
- Wenn also der Mönch alle Stufen auf dem Weg der Demut erstiegen hat,
gelangt er alsbald zu jener vollendeten Gottesliebe, die alle Furcht vertreibt.
- Aus dieser Liebe wird er alles, was er bisher nicht ohne Angst beobachtet
hat, von nun an ganz mühelos, gleichsam natürlich und ohne Gewöhnung ein halten,
- nicht mehr aus Furcht vor der Hölle, sondern aus Liebe zu Christus, aus guter
Gewohnheit und aus Freude an der Tugend.
- Dies wird der Herr an seinem
Arbeiter, der von Fehlern und Sünden rein wird, schon jetzt gütig durch den
Heiligen Geist erweisen.
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Kapitel 8: Der Gottesdienst in der Nacht
- Im Winter, das heißt vom ersten November bis Ostern, soll man zur achten
Stunde der Nacht aufstehen; das entspricht vernünftiger Überlegung.
- So können
die Brüder etwas länger als die halbe Nacht schlafen und dann ausgeruht
aufstehen.
- Was nach den Vigilien an Zeit noch übrigbleibt, sollen die Brüder,
die es brauchen, auf das Einüben der Psalmen und Lesungen verwenden.
- Von Ostern bis zum ersten November werde die Stunde des Aufstehens so
bestimmt: Auf die Feier der Vigilien folgen nach einer kurzen Pause für die
natürlichen Bedürfnisse der Brüder die Laudes, die bei Tagesanbruch zu halten
sind.
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Kapitel 9: Die Ordnung der Vigilien im Winter
- Im Winter singt man zuerst dreimal den Vers: "Herr, öffne meine Lippen,
damit mein Mund dein Lob verkünde."
- Darauf folgen Psalm 3 und das "Ehre sei
dem Vater",
- Psalm 94, mit Antiphon oder wenigstens einfach gesungen,
- ein
Hymnus des Ambrosius, dann sechs Psalmen mit Antiphonen. 05 Anschließend wird
der Versikel gesungen, der Abt spricht den Segen, und alle setzen sich auf die
Bänke.
- Aus dem Buch, das auf dem Pult liegt, tragen die Brüder abwechselnd
drei Lesungen vor; dazwischen werden auch drei Responsorien gesungen.
- Zwei
Responsorien singt man ohne "Ehre sei dem Vater", aber bei jenem nach der
dritten Lesung singt der Vorsänger das "Ehre sei dem Vater".
- Sobald der
Vorsänger es anstimmt, erheben sich aus tiefer Ehrfurcht vor der heiligen
Dreifaltigkeit sofort alle von ihren Sitzen.
- In den Vigilien lese man die von
Gott beglaubigten Bücher des Alten und des Neuen Testamentes, aber auch
Erklärungen dazu, die von anerkannten und rechtgläubigen katholischen Vätern
verfaßt sind.
- Nach den drei Lesungen mit ihren Responsorien folgen weitere
sechs Psalmen, die mit "Halleluja" gesungen werden,
- eine Lesung aus den
Apostelbriefen, auswendig vorgetragen, der Versikel und das Bittgebet der
Litanei, nämlich das "Kyrie eleison".
- Damit sind die nächtlichen Vigilien
beendet.
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Kapitel 10: Die Ordnung der Vigilien im Sommer
- Von Ostern bis zum ersten November wird die schon erwähnte Zahl der
Psalmen beibehalten.
- Die Lesungen aus dem Buch entfallen jedoch, weil die
Nächte kurz sind; statt der drei Lesungen wird eine aus dem Alten Testament
auswendig vorgetragen. Darauf folgt ein kurzes Responsorium.
- Alles andere
wird gehalten, wie bereits gesagt. Zu den nächtlichen Vigilien werden also,
abgesehen von Psalm 3 und Psalm 94, niemals weniger als zwölf Psalmen gesungen.
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Kapitel 11: Die Ordnung der Vigilien am Sonntag
- Am Sonntag steht man zu den Vigilien früher auf.
- Für diese Vigilien
gilt folgende Ordnung: Zuerst werden sechs Psalmen und der Versikel gesungen.
Wenn hierauf alle in rechter Haltung und Reihenfolge auf ihren Plätzen sitzen,
werden aus dem Buch vier Lesungen vorgetragen, dazu die Responsorien.
- Nur
beim vierten Responsorium fügt der Vorsänger das "Ehre sei dem Vater" an; sobald
er es anstimmt, erheben sich alle in Ehrfurcht.
- Auf die Lesung folgen die
nächsten sechs Psalmen mit Antiphonen wie zuvor und der Versikel.
- Dann liest
man nach der angegebenen Ordnung wieder vier Lesungen mit ihren Responsorien.
-
Danach werden drei Cantica aus den Propheten gesungen, die der Abt bestimmt;
diese Cantica singt man mit "Halleluja".
- Nach dem Versikel und dem Segen des
Abtes werden nach der gleichen Ordnung vier Lesungen aus dem Neuen Testament
vorgetragen.
- Nach dem vierten Responsorium beginnt der Abt den Hymnus "Dich,
Gott, loben wir".
- Anschließend trägt der Abt einen Abschnitt aus dem
Evangelium vor, bei dem alle in Ehrfurcht stehen.
- Nach dem Evangelium
antworten alle: "Amen". Der Abt schließt sogleich den Hymnus "Dir gebührt Lob"
an. Nach dem Segen beginnt die Laudes.
- Diese Ordnung der Vigilien bleibt an allen Sonntagen gleich, im Sommer wie
im Winter.
- Wenn man aber zu spät aufsteht, was ferne sei, werden Lesungen
oder Responsorien gekürzt.
- Doch sorge man auf jede Weise dafür, dass es nicht
vorkommt. Wenn es doch geschieht, tue der, durch dessen Nachlässigkeit es
verursacht wurde, vor Gott im Oratorium geziemend Buße.
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Kapitel 12: Die Laudes am Sonntag
- Zu den Laudes am Sonntag singt man zuerst Psalm 66 ohne Antiphon und ohne
Unterbrechung.
- Es folgen Psalm 50 mit Halleluja,
- Psalm 117, Psalm 62,
-
der Lobpreis, die Lobpsalmen, eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes,
auswendig vorgetragen, ein Responsorium, ein Hymnus des Ambrosius, der Versikel, das Canticum aus dem Evangelium, die Litanei und der Abschluß.
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Kapitel 13: Die Laudes an den Werktagen
- Die Laudes an den Werktagen werden in folgender Ordnung gefeiert:
- Man
singt Psalm 66 ohne Antiphon wie am Sonntag, etwas langsam, damit alle beim
Psalm 50 anwesend sind. Psalm 50 wird mit Antiphon gesungen.
- Es folgen zwei
Psalmen nach der üblichen Ordnung:
- am Montag Psalm 5 und Psalm 35;
- am
Dienstag Psalm 42 und Psalm 56;
- am Mittwoch Psalm 63 und Psalm 64;
- am
Donnerstag Psalm 87 und Psalm 89;
- am Freitag Psalm 75 und Psalm 91;
- am
Samstag aber Psalm 142 und das Canticum aus dem Deuteronomium, das in zwei "Ehre
sei dem Vater" geteilt wird.
- An den anderen Tagen singt man je ein Canticum
aus den Propheten, wie es in der Kirche von Rom Brauch ist.
- Darauf folgen die
Lobpsalmen, eine Lesung aus den Briefen des Apostel Paulus, auswendig
vorgetragen, ein Responsorium, ein Hymnus des Ambrosius, der Versikel, Das
Canticum aus dem Evangelium, die Litanei und der Abschluss.
- Die Feier von Laudes und Vesper gehe niemals zu Ende, ohne dass am Schluß
der Obere das Gebet des Herrn von Anfang an so spricht, dass alle es hören
können; denn immer wieder gibt es Ärgernisse, die wie Dornen verletzen.
-
Wenn die Brüder beten und versprechen: "Vergib uns, wie auch wir vergeben", sind
sie durch dieses Wort gebunden und reinigen sich von solchen Fehlern.
- Bei den
anderen Gebetszeiten wird nur der Schluss dieses Gebetes laut gesprochen, so daß
alle antworten: "Sondern erlöse uns von dem Bösen."
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Kapitel 14: Die Vigilien an den Festtagen
- An den Festen der Heiligen und an allen Feiertagen halte man es so, wie
wir es für den Sonntag bestimmt haben.
- Nur Psalmen, Antiphonen und Lesungen
sind eigens für die Festtage ausgewählt. Die oben angegebene Ordnung werde aber
beibehalten.
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Kapitel 15: Die Zeiten für das Halleluja
- Vom heiligen Osterfest bis Pfingsten wird immer wieder das Halleluja
gesungen, zu den Psalmen wie auch zu den Responsorien.
- Von Pfingsten bis zum
Beginn der Fastenzeit singt man es jede Nacht, aber nur zu den letzten sechs
Psalmen der Vigil.
- An allen Sonntagen außerhalb der Fastenzeit werden die
Cantica, Die Laudes, Prim, Terz, Sext und Non mit Halleluja gesungen, die Vesper
aber hat Antiphonen.
- Die Responsorien werden nie mit Halleluja gesungen,
außer in der Zeit vom Osterfest bis Pfingsten.
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Kapitel 16: Der Gottesdienst am Tage
- Es gelte, was der Prophet sagt: "Siebenmal am Tag singe ich dein Lob."
-
Diese geheiligte Siebenzahl wird von uns dann erfüllt, wenn wir unseren
schuldigen Dienst leisten zur Zeit von Laudes, Prim, Terz, Sext, Non Vesper und
Komplet;
- denn von diesen Gebetsstunden am Tag sagt der Prophet: "Siebenmal am
Tag singe ich dein Lob."
- Von den nächtlichen Vigilien sagt derselbe Prophet:
"Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen."
- Zu diesen Zeiten lasst uns also unserem Schöpfer den Lobpreis darbringen
wegen seiner gerechten entscheide, nämlich in Laudes, Prim, Terz, Sext, Non,
Vesper und Komplet. Auch in der Nacht lasst uns aufstehen, um ihn zu preisen.
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Kapitel 17: Die Psalmen im Gottesdienst am Tage
- Für die Vigilien und die Laudes haben wir die Ordnung des Psalmengesanges
bestimmt; wenden wir uns nun den folgenden Gebetszeiten zu.
- Zur Prim singt man drei Psalmen, und zwar einzeln, nicht unter einem
einzigen "Ehre sei dem Vater".
- Zuerst singt man den Vers "O Gott, komm mir zu
Hilfe"; es folgt der Hymnus dieser Gebetszeit. Dann beginnen die Psalmen.
-
Nach den drei Psalmen werden eine Lesung vorgetragen, der Versikel, das "Kyrie
eleison" und der Abschluß.
- Die Gebetszeiten der Terz, Sext und Non werden in der gleichen Ordnung
gefeiert, das heißt, es folgen aufeinander der Vers, der Hymnus der Gebetszeit,
drei Psalmen, eine Lesung, der Versikel, das "Kyrie eleison" und der Abschluß.
- Wenn die Gemeinschaft größer ist, singt man die Psalmen mit Antiphonen, ist
sie kleiner, singt man sie ohne Unterbrechung.
- Für die Feier der Vesper
werden vier Psalmen mit Antiphonen festgesetzt.
- Nach den Psalmen werden eine
Lesung vorgetragen, dann das Responsorium, ein Hymnus des Ambrosius, der
Versikel, das Canticum aus dem Evangelium, die Litanei und als Abschluß das
Gebet des Herrn.
- Für die Komplet werden drei Psalmen festgesetzt; diese Psalmen betet man
ohne Unterbrechung und ohne Antiphon.
- Es folgen der Hymnus dieser Gebetszeit,
eine Lesung, der Versikel, das "Kyrie eleison" und das Segensgebet als Abschluß.
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Kapitel 18: Die Ordnung der Psalmen
- Als erstes wird der Vers gesungen "O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile
mir zu helfen. Ehre sei dem Vater" Dann folgt der Hymnus der Gebetszeit.
- Zur Prim am Sonntag singt man vier Abschnitte des Psalmes 118.
- In den
folgenden Gebetszeiten Terz, Sext, Non werden je drei Abschnitte dieses Psalmes
118 gesungen.
- Zur Prim am Montag singt man drei Psalmen, nämlich Psalm 1, Psalm 2 und
Psalm 6.
- Auch zur Prim an den folgenden Tagen bis zum Sonntag werden der
Reihe nach je drei Psalmen gesungen bis zum Psalm 19; dabei werden jedoch Psalm
9 und Psalm 17 geteilt.
- So können die Vigilien des Sonntags immer mit Psalm
20 einsetzen.
- Zur Terz, Sext und Non des Montags werden die restlichen neun Abschnitte
des Psalmes 118 gesungen, je drei zu jeder Gebetszeit.
- So ist Psalm 118 auf
zwei Tage verteilt, nämlich auf Sonntag und Montag.
- Am Dienstag werden dann
zur Terz, Sext und Non je drei Psalmen gesungen, angefangen von Psalm 119 bis
Psalm 127, zusammen neun Psalmen.
- Diese Psalmen werden bis zum Sonntag
jeweils bei denselben Gebetszeiten wiederholt, wie auch die Ordnung der Hymnen,
Lesungen und Versikel an allen Tagen unverändert beibehalten wird.
- So beginnt
man am Sonntag immer mit Psalm 118.
- Zur Vesper werden täglich vier Psalmen feierlich gesungen,
- angefangen
von Psalm 109 bis Psalm 147;
- ausgenommen sind Psalmen, die schon anderen
Gebetszeiten zugewiesen wurden, nämlich die Psalmen 117 bis 127, Psalm 133 und
142.
- Alle anderen sind zur Vesper zu singen.
- Weil aber drei Psalmen
fehlen, sind die längeren der genannten Reihe zu teilen, nämlich Psalm 138,
Psalm 143 und Psalm 144.
- Weil Psalm 116 kurz ist, wird er mit Psalm 115
verbunden.
- Damit ist die Reihe der Vesperpsalmen festgelegt. Für alles übrige
gilt die oben gegebene Ordnung, also für Lesung, Responsorium, Hymnus, Versikel
und Canticum.
- Zur Komplet werden täglich dieselben Psalmen wiederholt, nämlich Psalm 4,
Psalm 90 und Psalm 133.
- Damit ist die Ordnung des Psalmengesangs am Tage festgelegt. Die anderen
Psalmen verteile man gleichmäßig auf die Vigilien der sieben Nächte.
- Dabei
teilt man die längeren Psalmen und bestimmt so zwölf für jede Nacht.
- Wir machen ausdrücklich auf folgendes aufmerksam: Wenn jemand mit dieser
Psalmenordnung nicht einverstanden ist, stelle er eine andere auf, die er für
besser hält.
- Doch achte er unter allen Umständen darauf, daß jede Woche der
ganze Psalter mit den 150 Psalmen gesungen und zu den Vigilien am Sonntag stets
von vorn begonnen wird.
- Denn Mönche, die im Verlauf einer Woche weniger
singen als den ganzen Psalter mit den üblichen Cantica, sind zu träge im Dienst,
den sie gelobt haben.
- Lesen wir doch, daß unsere heiligen Väter in ihrem
Eifer an einem einzigen Tag vollbracht haben, was wir in unserer Lauheit
wenigstens in einer ganzen Woche leisten wollen.
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Kapitel 19: Die Haltung beim Gottesdienst
- Überall ist Gott gegenwärtig, so glauben wir, und die Augen des Herrn
schauen an jedem Ort auf Gute und Böse.
- Das wollen wir ohne Zweifel ganz
besonders dann glauben, wenn wir Gottesdienst feiern.
- Denken wir daher immer
an die Worte des Propheten: "Dient dem Herrn in Furcht."
- "Singt die Psalmen
in Weisheit."
- "Vor dem Angesicht der Engel will ich dir Psalmen singen."
-
Beachten wir also, wie wir vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel sein
müssen,
- und stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme in und
Stimme in Einklang sind.
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Kapitel 20: Die Ehrfurcht beim Gebet
- Wenn wir mächtigen Menschen etwas unterbreiten wollen, wagen wir es nur in
Demut und Ehrfurcht.
- Um wie viel mehr müssen wir zum Herrn, dem Gott des
Weltalls, mit aller Demut und lauterer Hingabe flehen.
- Wir sollen wissen, dass wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen, sondern wenn wir in
Lauterkeit des Herzens und mit Tränen der Reue beten.
- Deshalb sei das Gebet kurz und lauter; nur wenn die göttliche Gnade uns
erfasst und bewegt, soll es länger dauern.
- In der Gemeinschaft jedoch sei das
Gebet auf jeden Fall kurz, und auf das Zeichen des Oberen hin sollen sich alle
gemeinsam erheben.
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