DOKUMENTATION


Ein Kloster wird aufgelöst
Der letzte Rundbrief aus dem Benediktinerinnenkloster Bonn-Endenich 


Die Gemeinschaft, die 1857 auf Initiative von Freifrau Caroline von Romberg-Brüninghausen gegründet wurde, lebte, betete und arbeitete seit 1888 in Bonn-Endenich. Am 30. April 2001 ist das Kloster per Dekret der Religiosenkongration aufgehoben worden. Der letzte Rundbrief von Priorin Benedicta Pöppelmeyer nimmt Abschied – mit Schmerz, Realitätssinn und Gottvertrauen.

Liebe Mitschwestern und Mitbrüder, 
liebe Freunde des Klosters! 

Dieses wird der letzte Brief aus dem Kloster Bonn-Endenich sein, der zu Ihnen kommt. Heute morgen haben wir uns zum letzten Mal im Benediktinerinnenkloster zur heiligen Eucharistie versammelt. In einer Woche wird es das Priesterseminar Redemptoris Mater sein. Herr Pfarrer Adelkamp aus der Pfarrgemeinde Maria Magdalena in Endenich deutete diesen Wechsel als Frucht des Gebetes der Schwestern um geistliche Berufe. Es ist tröstend zu wissen, daß an diesem Ort weiter geistliches Leben beheimatet sein wird. Doch der Schmerz des Untergangs dieses einst größten Klosters der deutschen Föderation bleibt. 

Als am Fest des heiligen Vaters Benedikt, dem 21. März 2000 Mutter Mechtild Cremer im Alter von 72 Jahren nach kurzer Krankheit plötzlich starb, war es für die kleine Kommunität von neun Schwestern ein Schock und bedeutete eine große Not. Durch das hohe Alter und die Pflegebedürftigkeit mehrerer Schwestern konnten sie sich mit eigenen Kräften nicht mehr helfen. Sie hatten ihr monastisches Leben mit äußerster Anstrengung aufrechterhalten. Bis zuletzt beteten und sangen sie das gemeinsame Stundengebet, pflegten den gemeinsamen Tisch und die Erholungsstunde am Abend. Mutter Mechtild war bei allen anfallenden Arbeiten, wo Hilfe gebraucht wurde, eingesprungen. Nun war diese Lücke nicht mehr zu füllen. 

In dieser Situation versuchte das Erzbistum Köln durch seinen Odensreferenten Herrn Weihbischof Melzer und Herrn Prälat Schnell den Schwestern ratend zur Seite zu stehen. In einer außerordentlichen Visitation suchten sie im Gespräch mit den Schwestern nach einer Lösung für die Zukunft der Gemeinschaft. Indes wandten sich die Schwestern an die Kommunität in Osnabrück und baten um Hilfe. Nach intensiven Kontakten zwischen dem Erzbistum Köln, dem Konvent von Osnabrück und Bonn entschied das Erzbistum Köln die Auflösung des Klosters und erlaubte die Wahl einer Administratorin mit der Aufgabe, die Auflösung zu leiten. Am zweiten Pfingsttag, dem 12. Juni 2000, beauftragte mich das Kapitel in einer Wahl mit dieser Aufgabe. Nun war uns gemeinsam die Aufgabe gegeben, nach einer Lösung für die Zukunft zu suchen. Am Anfang stand der Gedanke in irgendeiner Form, das gemeinsame monastische Leben zusammen weiter zu führen. Doch dieses erwies sich bald als nicht möglich, weil aus der eigenen Reihe keine Oberin zur Verfügung stand und meine Hilfe zeitlich begrenzt war. 

In einem bewegten und zeitweise schmerzlichen Prozeß fand dann jede einzelne Schwester für sich ihren Weg in die Zukunft. Als erste entschied sich Sr. Theresia Arnemann ihr monastisches Leben bei den Benediktinerinnen in Osnabrück fortzuführen. Sr. Agnella Schweikert verließ die Föderation der Benediktinerinnen vom hlst. Sakrament und fand Aufnahme in der Abtei Mariendonk in Kempen. Sr. Raphaela Leffin wollte im Rheinland bleiben und entschied sich für das Kloster Kreitz bei Neuss. Sr. Scholastica Ziegler folgte der Sr. Theresia nach Osnabrück und Sr. Maria Limper wünschte sich einen Platz im Pflegeheim zusammen mit Michaela Sigel. Sie begründete diese Entscheidung mit ihrer Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Im Herz-Jersu-Heim der Aachener Franziskanerinnen in Köln lebt sie nun ganz dem Gebet. Schwester Benedikta Schaden ihr Weg führte nach einem anfänglichen Versuch als Eremitin zu den Schwestern nach Dernbach ins St. Josefsheim. Dort fand sie mit ihren achtundsiebzig Jahren liebevolle Aufnahme. Sr. Brigitta Müller, mit achtundachtzig Jahren die Seniorin des Endenicher Konventes, wählte ebenfalls ein Pflegeheim als ihre neue Heimat und nahm die jüngste der Gemeinschaft, Sr. Felicitas Lütkemeier mit. Sie leben seit Oktober 2000 nun im Josefsheim der Pallotinerinnen in Refrath/Bergisch- Gladbach. Sr. Felicitas hat inzwischen den Orden verlassen. Sie bleibt aber weiterhin bei Sr. Brigitta im Altenheim. Alle haben nun schon eine Zeit der Erfahrung in ihrer neuen Umgebung und sind zufrieden, wenn auch der Schmerz der Auflösung ihres Klosters bleibt. Diese Wunden werden nur schwer heilen können.

Der Umzug der Schwestern war im Februar abgeschlossen. Zuvor mußte die Hostienbäckerei aufgelöst werden und dann galt es auch das Studentinnenheim mit über fünfzig Studentinnen zu räumen. Die letzten sind zur Zeit noch am Kofferpacken. Auch für sie kam die Auflösung überraschend und ist für viele von ihnen ein Härtefall.

In allem durften wir große Anteilnahme der Gemeinde Endenich erfahren und das Wohlwollen vieler Bonner Freunde. Das Bedauern um den Verlust „ihres" Klosters war immer wieder zu hören. Am Tag der offenen Tür im Oktober besuchten fast zweitausend Menschen das Kloster. Sie warteten nach dem Gottesdienst am Nachmittag um 15 Uhr bis zum späten Abend vor dem Kloster, um noch an einer Führung teilnehmen zu können. 
Nach der offiziellen Verabschiedung der Schwestern am Marterfest, dem 15. Oktober, durch Herrn Weihbischof Janssen wurde die Klosterkirche geschlossen. Sie wurde jedoch dann an jedem Donnerstag um 9 Uhr zur heiligen Messe wieder geöffnet. Die Eucharistiefeier war immer gut besucht und wird nun weiterhin in Erinnerung an das Kloster gefeiert werden. Hat doch die Eucharistiefeier am Donnerstag in diesem Kloster einen besonderen Akzent. Einen sehr schmerzlichen Einschnitt im Prozeß der Auflösung gab es noch im März 2001, als die Benediktinerinnenabtei von Offida in Italien, deren Kommunität einige junge deutsche Schwestern zählt, sich bereit erklärten, das benediktinische Leben im Kloster Maria Hilf in Bonn-Endenich aufrechtzuerhalten. Herr Kardinal Meisner hatte sie eingeladen und ihnen einen Teil des Klosters angeboten. Nach einem Besuch der Äbtissin Madre Benedetta, der Priorin und einer jungen deutschen Schwester entschied sich die Kommunität, nach ihren Kräften unserem Kloster neues benediktinisches Leben zu geben. Als dann Kardinal Meisner sein Wort zurück nahm, weil er zuvor dem Neokatechunenat unser Kloster versprochen hatte und dieses das ganze Anwesen nutzen will, war die Enttäuschung nach der Freude sehr groß. Wir sind den Mitschwestern von Offida für ihre großmütige Bereitschaft dankbar und zutiefst verbunden, in dem Schmerz, den auch sie empfinden. 

Die große Anteilnahme und das begleitenden Gebet waren uns eine Stütze in diesem vergangene Jahr. Es gab viele unvorhergesehene Fragen zu beantworten, viele überraschende Schwierigkeiten zu bewältigen und auf den ersten Blick undurchsichtige Probleme zu lösen. Doch in allem ebnete ER den Weg. „ER führt sein Volk"! Dieses zu erfahren, war auf dem Weg durch diese Zeit des Sterbens unseres Klosters in Bonn-Endenich bei allem. Schmerz auch eine beglückende Erfahrung. Im Zuge der Regelung der Altersversorgung der Schwestern und der Übergabe des Klosters an das Erzbistum, dem es auf Grund der Vereinssatzungen zufällt, wurde auch die durch die Stiftung des Klosters eingegangenen Verpflichtungen des Gebetes für die verstorbene Stifterin, Freifrau Caroline von Romberg-Brüninghausen, erweitert, so daß jährlich am Fest des Heimgangs unseres hl. Vaters Benedikt, dem 21. März, in der Klosterkirche eine hl. Messe für die verstorbenen Schwestern von Bonn-Endenich gefeiert wird.

Ein kurzer Rückblick über das vergangene Jahr wäre unvollständig, wollte ich nicht die zuverlässige und tatkräftige Mitarbeit unseres Haustechnikers, Herrn Udo Groß und meiner Gehilfin Frau Lina Mühlbauer erwähnen. Sie hätte zum zweiten Mal das Bundesverdienstkreuz verdient. Ohne sie, wäre die Arbeit vom Keller bis zum Dachboden nicht zu schaffen gewesen. Ihnen, und auch Herrn Werdin, ist es zu verdanken, daß ich das Kloster am 1. August sauber und geordnet dem Erzbischöflichen Stuhl von Köln übergeben kann. Aber auch allen, die für ein paar Tage tatkräftig geholfen haben gilt mein Dank, 
Außer diesen Helfern vor Ort durfte ich die freundschaftliche Hilfe und Begleitung der Schwestern meines Heimatklosters in Osnabrück, der Abtei Mariendonk und ihrer Äbtissin, Mutter Luitgardis, der Schwestern von Köln Raderberg und ihrer Priorin Mutter Johanna und vieler anderer erfahren. Mein ganz besonderer Dank gilt aber meinem Heimatbistum Osnabrück mit seinem Bischof Dr. Franz-Josef Bode und seinen Mitarbeitern im Generalvikariat von der Rechts- und Finanzabteilung, Herrn Schnieders, Herrn Albers und Herrn Schweer, die mir mit fachlichem Rat tatkräftig halfen. Aber auch dem Domkapitel, das meine Arbeit mit großem Interesse begleitet hat, gilt mein Dank. Die kompetente Hilfe in Fragen des Ordensrechts von Pater Franziskus aus der Abtei Maria Laach war mir unentbehrlich. Seine brüderliche Hilfe war mir von großem Wert.

Allen, die mir geschrieben haben, ihre Anteilnahme zum Ausdruck brachten, mich ihres Ge-betsgedenkens versichert haben und keine Antwort von mir erhalten haben, bitte ich um Verständnis. Jeder Gruß war mir eine Hilfe und Stütze, in der ich erfahren durfte, daß unser Kloster Bonn-Endenich in seinem Sterben nicht allein gelassen ist. 
Der Herr vergelte Ihnen mit seinem Segen, was Sie uns Gutes getan haben! 
Bonn-Endenich, den 26. Juli 2001

Sr. Maria Benedicta Pöppelmeyer OSB